Trend Report 2011: Ortwin Gentz gibt Antworten zu Tools, Programmiersprachen und mehr

veröffentlicht von am 19. August 2011

Nach all den GDC Europe 2011-Posting in den letzten Tagen kommen wir zum Wochenausklang mal wieder zum Trendreport.Dieses Mal mit Ortwin Gentz, der sich mit seiner Firma Futuretap  im Kreis der iPhone-Programmierer einen sehr guten Namen gemacht hat. Vor allem seine Anwendung “Wohin” hilft sehr vielen iPhone-Usern täglich, die nächste Pizzeria oder einen Geldautomaten zu finden. Wenn Sie dazu auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie seine News auch per Twitter erhalten und mit ihm Kontakt aufnehmen: @futuretap.

 

Ortwin Gentz

Ortwin Gentz

Softwware Dev Blog: Auf das Vorurteil, „Programmieren ist der langweilige Zeitvertreib von Nerds, die keine Freunde haben“, reagieren Sie mit folgendem Satz…

Ortwin Gentz: Langweilig? Wenn ich sehe, was dabei herauskommt, ist das alles andere als langweilig! Wer sonst ist denn heutzutage schon in der Lage, mit vergleichsweise kleinem organisatorischen Aufwand ein Produkt weltweit auf den Markt zu bringen, das tausende von Leuten begeistert und bleibenden Eindruck hinterlässt?

SDB: Von welchem Programmiertipp oder welchem Leitsatz haben Sie persönlich am meisten profitiert?

Gentz:Less code is better code. Wenn es geht, sollte man immer die von der Plattform bereitgestellten Schnittstellen nutzen, bevor man das Rad neu erfindet. Leider ist dies nicht immer möglich, v.a. wenn man sehr ausgeklügelte Oberflächen bauen möchte. Aber dann sollte man sich wenigstens bewusst dafür entscheiden, nicht den Standard-Pfad einzuschlagen.

SDB: Mit welchen aktuellen Desktop-Programmiersprachen und/oder -Tools sollten sich Software-Entwickler in diesem Jahr unbedingt beschäftigen?

Gentz: Objective-C und Cocoa. Die zugrundeliegenden Konzepte sind genial und erlauben sehr schön strukturierten Code.

SDB: Für das Desktop-Betriebssystem der Zukunft haben Sie drei Wünsche frei. Welche sind das?

Gentz: Ich wünsche mir die tolle Oberfläche von Mac OS X gepaart mit den “anything goes” Möglichkeiten von Linux. Ich sehe etwas mit Sorge, dass in der Desktop-Version von Apple’s Betriebssystem mehr und mehr die Daumenschrauben angezogen werden (App Store Regelwerk, Sandboxing usw.), was die Kreativität negativ beeinflusst. Es wäre schön, wenn es auch weiterhin möglich ist, clevere Apps, die mit allen möglichen Systemdiensten und/oder anderen Apps sprechen, zu realisieren. Natürlich soll dabei auch die Stabilität nicht auf der Strecke bleiben, aber eigentlich tolle Technologien wie Sandboxing dürfen nicht die Kreativität der Entwickler beeinträchtigen.

SDB: Welchen Tipp haben Sie für Programmierer, die möglichst schnell ihre Apps erfolgreich im Markt platzieren möchten?

Gentz: Die 1.0-Version einer App sollte zwar so schnell wie möglich auf den Markt gebracht werden, gern mit Kompromissen bei der Zahl der Features. Auf gar keinen Fall sollte man aber Kompromisse beim User Interface und bei der Stabilität eingehen. Immer wieder stoße ich auf neue Apps, die am laufenden Band abstürzen – trotz App Store Review. Solche Apps landen bei mir dauerhaft im Müll, auch wenn die Probleme in späteren Versionen gefixt werden. Auch das User Interface sollte von vornherein top-notch sein, denn es lässt auf die generelle Haltung des Developers zu dem Thema schließen. Wenn das UI in der 1.0 “grotten-furchtbar” ist, warum sollte ich als Käufer davon ausgehen, dass es in einer späteren Version besser wird?

SDB: Hier können Sie eine Webseite oder ein Online-Magazin empfehlen, die oder das jeder Entwickler kennen sollte?

Gentz: In meiner täglichen Arbeit komme ich fast nicht an StackOverflow vorbei. Die Seite ist sehr gut gemacht und hier sind unglaublich viele kluge Köpfe versammelt, die bei Problemen weiterhelfen. Die Plattform stellt eine gute Balance aus Geben und Nehmen sicher und hat eine tolle Community hinter sich versammelt.

SDB: Was gefällt Ihnen am Software Dev Blog? Was könnten wir besser machen?

Gentz: Es ist schön, mal über den eigenen (Cocoa-)Tellerrand hinauszublicken. Umgekehrt würde ich mir noch mehr für mich relevante Beiträge aus dem Apple- sowie non-Gaming-Umfeld wünschen.


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